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Postkarten aus Shanghai: Mit Fiona Daniel an der World Expo 2010

22.06.2010 geblogt von schreiberling | Neues aus dem k-Universum 

Online-Telegramme für die Daheimgebliebenen. Entwürfe für digitale Postkarten aus dem zeitverschobenen Jetzt. Zerknüllte Zehnfinger-Fresszettel. Alles skizzenhaft, unfertig, nebenbei notiert. Aber zusammen beinahe so etwas wie die Fragmente einer fernöstlichen Geschichte.

„Durch die Röhre hinab in den Bauch des Swiss-Flugzeugs. Wir kämpfen uns mit Gitarre, Taschen und Autoharp durch den kleinen Gang. Die Destination ist fast ersichtlich aus den Gesichtern der Schonsitzenden.“

„Shutter Island führt zu Angstschüben und Erschrecken. Und zu Fragezeichen.“

„Während einer Rotweinnachschubrunde erfahren wir aus dem Cockpit, dass die Schweiz 1:0 gewonnen hat. Also feiern wir, weil schlafen nicht funktioniert. Warum nicht!“

„Mitten in der Nacht nach Schweizer Zeit landen wir in China, die Rolltreppen, ebenerdig, erscheinen uns kilometerlang, schier endlos. Und doch finden wir uns plötzlich in einer riesigen Halle, Passkontrolle Nummer 1. Die netten Zollbeamten lassen sich mit Zufriedenheitsgradknöpfen bewerten.“

„Am Ausgang steht ein Chinese mit einem A4-Papier: FIONA DANIEL – SWISS PAVILION. Unser Fahrer. Leider spricht er kein Wort in einer anderen Sprache als Chinesisch. Immerhin kennt er Shanghai und fährt uns zu einem Turm namens Golden Garden Club, hilft uns ausladen und verschwindet wieder.“

„Im Turm drinnen heissen uns die Rezeptionisten willkommen und lassen uns wissen, dass unser Appartement noch nicht geputzt und erst in etwa einer Stunde bereit sei. Wir werfen ein Auge hinein, während wir unser Gepäck in einem Zimmer parken, und sehen die Überreste einer Riesenparty...“

„Verwirrt streichen wir um die umliegenden Häuser, trinken und essen was, bevor wir endlich unser neues Zuhause beziehen können. Die Better sind hart und gross, und üben eine grosse Anziehungskraft auf uns aus. Wenigstens auf einige von uns. Andere packt das Grossstadtfieber, jedoch auch nur noch für ein, zwei Stunden und ein, zwei Kaffees.“

„Die Organisatoren unseres Abenteuers melden sich, eine schlaftrunkene Person bewegt sich zwischen Bett und Tür. Noch wissen wir ziemlich nichts über unsere Mission, ausser dass wir hier in Shanghai an der Weltausstellung spielen sollen. Auf wundersame Weise klärt sich in den Nachmittagsstunden erstaunlich viel, nicht ganz ohne unsere Mithilfe.“

„Beruhigt machten wir uns auf, um die Ecke etwas essen zu gehen. In ein uns empfohlenes chinesisches Restaurant, wo es hilfreicherweise Fotos auf den Speisekarten gibt. Eine Augenweide nach der anderen wird ausgelesen, auch wenn – wie wir später merken – nicht immer klar ist, was da genau abgebildet ist.  Es wird so richtig reingehauen, um dann frisch gestärkt in einem lauwarmen Innenhof noch ein Bier trinken zu gehen.“

„Am nächsten Tag treffen wir uns an der Instrumentenstrasse mit jemandem, der uns ein Cello organisiert hat. Im Shanghaier Konservatorium gleich nebenan schwingt Ronja den Bogen, um das gute Stück auszuprobieren. Das Cello gehört dem Masterprofessor für Cello hier am Konservatorium. Im nächsten Kämmerchen übt jemand virtuos am Piano. Wir nehmen zwei Ohren davon und machen uns in die Jazzschule auf, wo wir mit unserer Chinesischen Band proben werden.“

„Die JZ School liegt inmitten von kleinen Häuslein, an einer kleinen Strasse mit vielen Bäumen, im French Conzession, dem Brooklyn von Shanghai. Traditionell chinesische Wohnungen befinden sich gleich neben dem Eingang der Schule, und so lernt man nicht nur Musik kennen, sondern auch chinesische Wohnangewohnheiten.“

„Wir spazieren durch diese offenen Wohnungen in die Schule hinein, und treffen auf gutgelaunte, sehr freundliche Menschen aus allen Herren und Damen Länder.  Als nachgefragt wird, wie denn unsere Musik tönt, wird eine CD verschenkt, und von allen sofort reingehört.“

„Wir ersteigen den 3ten Stock und werden zu dem zu unserer Verfügung gestellten Raum geführt. Gleich werden die Musen geküsst, und wir vereinbaren eine Probe für den Folgetag.“

„Der erste Gig steht: Im Wooden Box, seit drei Wochen offen, von denselben Leuten, die auch den berühmten JZ Jazzklub gegründet haben. Mitten in einem kleinen Park mit Ausblick auf viele wolkenkitzelnde Häuser, in der Nacht beleuchtet wie Weihnachten.“

to be continued...

Aktuelle Updates aus China gibt's auf Fiona Daniels Facebook-Seite.


Kommente (2):

#1 Monika kommentiert, am 23.06.2010 um 20:06

Hallo zämme, macht Spass euer Tagebuch zu lesen!!! Weiterhin viel Vergnügen und gute musikalische Inspirationen from Chines people!!

#2 Martin kommentiert, am 28.07.2010 um 02:07

Dä mit em Frosch isch chli Fail - aber meh als das: Danke für die schöne Iidrück

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